Zum Inhalt springen
Dr. Marlen Hofmann

Neues aus meiner Werkstatt zum Thema Künstliche Intelligenz 😀

Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen. Wir alle sind überzeugt, dass wir „etwas mit KI“ tun müssen – und zwar DRINGEND!

Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen. Wir alle sind überzeugt, dass wir „etwas mit KI“ tun müssen – und zwar DRINGEND! Doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, bleibt für viele von uns unklar, wo und wie sich KI tatsächlich sinnvoll einsetzen lässt.

Unzählige Beiträge nennen typische Anwendungsfelder und lassen den Einsatz von KI im Unternehmen so einfach klingen. Sie beschreiben KI als universelles Werkzeug, das

  • überall dort einsetzbar ist, wo Informationen verarbeitet werden,
  • wo Muster erkannt oder Entscheidungen getroffen werden müssen,
  • oder wo Routinearbeiten automatisiert werden können.

Klingt logisch und simpel – schließlich arbeiten wir alle mit Informationen, treffen Entscheidungen und haben Routineaufgaben. Also einfach die drei erstbesten Use Cases nehmen und loslegen? So lautet zumindest der Ansatz vieler selbsternannter AI-Influencer…

Doch bei all dem Glanz und Hype fehlt mir persönlich ein echter Orientierungsrahmen, der mir Sicherheit gibt, dass ich auf dem richtigen Weg bin – und meine Energie in die richtigen Ideen stecke. Ein Vorgehen, das mir hilft, die richtigen KI-Initiativen zu verfolgen, anstatt einfach nur „irgendwelche“ Tools einzuführen.


Vom Bauchgefühl zur Prozesslandkarte

Ein tragfähiger Ansatz beginnt für mich daher nicht bei der Technologie – und auch nicht bei Überschriften wie „KI im Vertrieb“ oder „KI in der Produktion“. Das klingt zwar simpel, bleibt aber abstrakt. Solche Formulierungen beschreiben mögliche Anwendungsdomänen, wirken aber beliebig und haben wenig Bezug zur betrieblichen Realität.

Diese zeigt sich vielmehr in den einzelnen Geschäftsprozessen – dort, wo Inputs zu Outputs werden, wo Engpässe und manuelle Aufwände entstehen und echte Datenprobleme sichtbar werden. Genau dort müssen wir ansetzen, um KI-Potenziale zu identifizieren, zu priorisieren und Projekte zu initiieren, die tatsächlich einen messbaren Unterschied machen.

Und damit wir uns nicht in den erstbesten kleinteiligen Use Cases verlieren, brauchen wir eine Perspektive aus dem Orbit des Unternehmens – eine Übersicht, die auf einen Blick zeigt, wo die relevantesten und vielversprechendsten Prozesse liegen und welche Initiativen auf der KI-Roadmap priorisiert werden sollten.

Hier kommt die Prozesslandkarte ins Spiel. Sie bildet alle relevanten Geschäftsprozesse ab und bietet damit einen strukturierten Überblick über die großen Arbeitsbereiche des Unternehmens. Gleichzeitig ermöglicht sie eine initiale Bestandsaufnahme typischer “ Problem-Prozesse “ und struktureller Eigenschaften, die förmlich nach KI-Unterstützung schreien:

  • Stark manuelle Prozesse (Automatisierungsgrad)
  • Prozessen mit hohem Fehlerpotenzial (Fehleranfälligkeit)
  • Prozessen mit hohem Risiko und ernsthaften Folgen bei Fehlern (Prozessrisiko)
  • Besonders teuere oder zeitaufwändige Prozesse (Prozesskosten)
  • Prozesse, die sich durch fehlende oder fehlerhafte Daten verzögern (Datenabhängigkeit)

Es handelt sich um Prozesse, in denen KI tatsächlich spürbaren Mehrwert bringen kann… Aber eben nur dann – und das ist entscheidend – wenn es auch marktreife KI-Anwendungen mit relevanten Fähigkeiten gibt, die die zugrunde liegenden Prozessaktivitäten verlässlich unterstützen, ergänzen oder übernehmen können.


Von Prozessen zu Prozessfähigkeiten

Um zu verstehen, was eigentlich für die Durchführung der Prozesse erforderlich ist, müssen wir diese auf einer weiteren Ebene betrachten. Wir müssen die konkreten Fähigkeiten bestimmen, die erforderlich sind, um Inputs in Outputs zu transformieren.

Dazu habe ich mir auf Basis verschiedener Beiträge (darunter McKinsey, O*Net und ESCO) mehre übergeordnete Fähigkeitscluster abgeleitet, mithilfe derer sich die dominanten Fähigkeiten in Prozessen und Aktivitäten beschreiben lassen.

  1. Sprach- & Kommunikationsfähigkeiten
  2. Analytische & problemlösende Denkfähigkeiten
  3. Wahrnehmungs- & Mustererkennungsfähigkeiten
  4. Kreative Fähigkeiten
  5. Planungs- & Entscheidungsfähigkeiten
  6. Motorische & physische Fähigkeiten
  7. Soziale & emotionale Fähigkeiten
  8. Technikwissen
  9. Fachwissen

Wenn wir nun beispielsweise darüber nachdenken, Beratungsprozesse oder die Kundenbetreuung mit KI-Systemen zu unterstützen, sollten wir zunächst die dominanten Fähigkeiten identifizieren, die hier entscheidend sind – etwa Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten, soziale und emotionale Fähigkeiten und natürlich auch ein gutes Maß an Fachwissen. 😉

Und logischerweise müssen die KI-Anwendungen, die wir hier künftig einsetzen wollen, über vergleichbare, komplementäre oder sogar höhere Fähigkeiten verfügen, um die entsprechenden Prozessaktivitäten tatsächlich wirksam unterstützen oder übernehmen zu können.


Identifikation und Mapping von KI-Fähigkeiten

Leider lässt sich heute nur mit viel Aufwand und Recherchearbeit feststellen, über welche Fähigkeiten KI-Modelle und KI-Anwendungen tatsächlich verfügen, denn die Standardisierung der Begriffswelt steckt noch in den Kinderschuhen (siehe dazu auch meinen Beitrag Was ist eigentlich KI? Ein Beitrag für mehr Orientierung im Unternehmensalltag ).

Daher arbeite ich derzeit an einem praxisnahen Bewertungsmodell, um Prozesse möglichst einfach hinsichtlich ihres KI-Potenzials kategorisieren zu können. Dabei sollen sowohl grundlegende Prozesseigenschaften – wie Automatisierungsgrad, Fehleranfälligkeit, Prozessrisiko, Prozesskosten und Datenabhängigkeit – als auch die r elevanten Prozess- und KI-Fähigkeiten berücksichtigt werden, zum Beispiel Sprachverständnis, Mustererkennung, Entscheidungsfähigkeit oder Fachwissen.

Damit erhoffe ich mir eine neue Perspektive: Nicht nur zu erkennen, welche Prozesse aufgrund ihrer strukturellen Eigenschaften für eine KI-Unterstützung geeignet sind, sondern auch zu verstehen, welche Art von Intelligenz sie tatsächlich erfordern – und ob KI diese bereits leisten kann.

Wenn das gelingt, wäre das ein entscheidender Schritt, um KI-Initiativen im Unternehmen gezielt zu identifizieren, zu bewerten und zu priorisieren.


💬 Was denkt ihr zu diesem Ansatz? Ich freue mich auf eure Gedanken – und melde mich, sobald ich mit der Bewertungsmethode einen Schritt weiter bin!

Bis dahin, habt einen guten Start in den Tag! 👋