Ich habe meinen ersten KI-Agenten für Compliance-Monitoring gründlich unterschätzt
Nicht wegen der Technik. Sondern weil ich plötzlich erklären musste, wie ich als IT-Regulatorik-Expertin eigentlich denke und arbeite.

Nicht wegen der Technik. Sondern weil ich plötzlich erklären musste, wie ich als IT-Regulatorik-Expertin eigentlich denke und arbeite.
Vor einigen Tagen habe ich hier meine Vision eines Teams von KI-Agenten vorgestellt, die dort unterstützen sollen, wo heute oft Zeit, Budget oder personelle Ressourcen fehlen.
Der Hintergrund ist bekannt: NIS2, CRA, DORA und Co. setzen Fähigkeiten voraus, für die viele Unternehmen weder ausreichend Kapazitäten noch ausreichend Spezialisten haben: IKT-Risikomanager, IT-Governance-Spezialisten oder Compliance-Funktionen.
Genau dort habe ich angesetzt und meinen ersten eigenen KI-Agenten gebaut.
Seine Aufgabe klingt banal: Einmal pro Woche besucht er die Webseiten relevanter Aufsichtsbehörden wie BaFin, FMA oder EBA. Entdeckt er Veröffentlichungen, die in der Vorwoche noch nicht da waren, informiert er mich per E-Mail.
Fertig. Dachte ich zumindest…
Aus „Das baue ich schnell“ wurde schnell die Frage: Wie vergleiche ich Webseiten? Über Keywords, Datenbankeinträge, Hashwerte?
- ❌ Nein: so arbeitet doch kein Fachexperte. So denken Programmierer.
- ✅ Wenn ich die Website einer Aufsichtsbehörde besuche, suche ich nach neuen Veröffentlichungen, achte auf Datumsangaben und erinnere mich (meist löchrig) an Dinge, die ich beim letzten Besuch vermeintlich gesehen habe. Und vor allem bewerte ich die Bedeutung von dem, was ich lese.
- 💡 Diese Logik lässt sich inzwischen prima mithilfe von ein paar Workflow-Schritten und in Kombination mit einem Sprachmodell abbilden.
Seit gestern liefert mir mein agentischer Compliance-Experte nun regelmäßig Hinweise auf neue regulatorische Entwicklungen, die ich anschließend fachlich prüfe und bewerte.
Für mich ist das weit mehr als eine technische Spielerei. Es ist mein erster erfolgreicher Versuch, die Fähigkeit eines menschlichen Fachexperten in einen digitalen Assistenten zu übertragen.
Je länger ich mich mit den heute verfügbaren Möglichkeiten beschäftige, desto mehr glaube ich daran, dass wir künftig hybride Teams sehen werden – Teams, in denen Menschen und spezialisierte KI-Agenten zusammenarbeiten.
Nicht als Ersatz für Experten, sondern als Verstärkung ihrer Fähigkeiten.
Der erste Kollege in meinem kleinen Team hat jedenfalls gerade seinen Dienst aufgenommen.
Wer die vollständige Bauanleitung mit allen Stolpersteinen, Irrwegen und Lösungen haben möchte, darf sich gerne melden. Ich habe während des Projekts eine Art Logbuch sowie eine HTML-Schulungsunterlage geschrieben, die ich aktuell noch etwas aufhübsche und später bereitstellen werde.