Europa reguliert KI. Die USA bauen KI-Cyberabwehr
Gestern hat das Weiße Haus eine neue Executive Order von Donald Trump veröffentlicht. Sie regelt, wie die USA künftig mit den Sicherheitsrisiken aus fortgeschrittenen KI-Systemen umgehen wollen.
Gestern hat das Weiße Haus eine neue Executive Order von Donald Trump veröffentlicht. Sie regelt, wie die USA künftig mit den Sicherheitsrisiken aus fortgeschrittenen KI-Systemen umgehen wollen.
Die Kurzform: Während Europa die KI-Entwicklung und die KI-Nutzung reguliert, bauen die USA staatliche Abwehrzentren und Schutzmechanismen.
Dort investiert man jetzt unter anderem in:
- staatliche Spezialisten für KI-Sicherheit und Cybersecurity, 2️⃣ ein staatliches AI Cybersecurity Clearinghouse, das Software-Schwachstellen identifiziert und die Verteilung von Sicherheitspatches koordiniert, 3️⃣ Fördermittel für KI-gestützte Schwachstellenerkennung, 4️⃣ eine gestärkte staatliche Cyberabwehr, und 5️⃣ die Entwicklung KI-gestützter Cybersecurity-Werkzeuge.
Unterstützt werden sollen damit auch Akteure ohne große Sicherheitsabteilungen: Krankenhäuser, kleinere Banken, lokale Versorger und andere Betreiber kritischer Infrastruktur.
Doch warum diese Schwerpunktverschiebung gerade jetzt?
Meine These: Auch in den USA wächst der Respekt vor den operativen Risiken leistungsfähiger KI-Modelle wie Claude Mythos. Denn wer versteht, wozu solche Modelle in der Lage sind, denkt anders über Sicherheit.
Dann geht es nicht mehr nur um Governance, Dokumentation und Compliance, sondern um tatsächliche digitale operationale Resilienz und operative IKT-Sicherheit.
In Europa läuft die Logik umgekehrt. Die Digitalregulierung verpflichtet vor allem die Unternehmen, die ohnehin sichtbar sind und ein wirtschaftliches Eigeninteresse an sicheren und rechtskonformen Systemen haben. Das ist grundsätzlich nicht falsch, aber man bringt damit Bürokratie in Unternehmen, die sich in den allermeisten Fällen ohnehin an die Spielregeln halten.
Die eigentlichen Risikoquellen erreicht man hingegen nicht. Kriminelle, geopolitische Gegner und Akteure mit Missbrauchsmotiv schreiben keine Richtlinien, melden keine Vorfälle und liefern auch keine EU-Konformitätsbewertungen.
Die betroffenen Unternehmen von KI-VO, NIS2 und DORA dagegen schon.
Sie erzeugen Strategiedokumente, Richtlinien und Prozessbeschreibungen – Papiertiger, die eine Illusion von Sicherheit erzeugen. Doch sie verlieren dabei den Fokus auf operative Sicherheit – man könnte sagen: Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Damit stellt sich eine zentrale Frage: Erzeugt immer mehr Digitalregulierung tatsächlich mehr Schutzkapazität — oder vor allem mehr Nachweispflichten bei denen, die sich ohnehin an die Regeln halten?
Wie seht ihr das? Brauchen wir in Europa mehr Vorsorgemaßnahmen und konkrete Hilfe für die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die allein nicht die Kraft aufbringen können, sich gegen die neuen Cyberbedrohungen abzusichern?
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